Die Ursprünge des transatlantischen Handels mit versklavten Menschen
Die frühe Neuzeit brachte tiefgreifende Veränderungen der globalen Wirtschaftsstrukturen mit sich, die das Schicksal unzähliger Menschen für immer besiegelten. Als europäische Eroberer in die neuen Kontinente vordrangen, standen sie vor der gewaltigen Herausforderung, die dortigen Ressourcen für den eigenen Reichtum auszubeuten. Dies erforderte ein gewaltiges Aufgebot an Arbeitskräften, was letztlich zu einer der dunkelsten Epochen der Menschheitsgeschichte führte. Die Entscheidung, welche Menschen für diese harte Zwangsarbeit herhalten mussten, wurde nicht aus dem Nichts getroffen, sondern war das Ergebnis komplexer wirtschaftlicher und biologischer Zwänge.
Das Scheitern der einheimischen Arbeitskräfte
Die Eroberer wandten sich rasch dem afrikanischen Kontinent zu, um ihren Bedarf an Arbeitskräften zu decken, obwohl in den neuen Gebieten eine gewaltige Menge an Ureinwohnern lebte. Bestimmte Gelehrte erklären diesen Schritt damit, dass die indigene Bevölkerung massenhaft an eingeschleppten Seuchen zugrunde ging. Die Menschen aus Afrika hingegen besaßen aufgrund des langjährigen Umgangs mit Nutztieren Abwehrkräfte gegen solche Krankheiten, die den Europäern ähnlich waren. Ein weiterer Grund lag in der Lebensweise der einheimischen Stämme, die abgesehen von bestimmten großen Reichen meist in kleinen Gemeinschaften lebten. Diese Gruppen betrieben eine einfache Selbstversorgung und kannten keine harte Fronarbeit, wie sie später auf den landwirtschaftlichen Großgütern verlangt wurde.
Der kulturelle Umgang mit Arbeit und Zeit
Die überlebenden Ureinwohner stammten oft aus nomadischen Kulturen, deren Wirtschaften nicht auf materiellen Reichtum, sondern auf freie Zeit ausgerichtet waren. Diese Lebensweise machte sie völlig ungeeignet für die extrem anstrengende und unerbittliche Arbeit in den Bergwerken oder auf den Anbaufeldern. Die Eroberer erkannten bald, dass sie andere Menschen benötigten, die den extremen physischen Belastungen gewachsen waren. In den anfänglichen Jahren der Kolonisierung begannen sie daher, Menschen aus Afrika zu verschleppen, die bereits auf den atlantischen Inseln ihre Tauglichkeit für die harte Feldarbeit bewiesen hatten. Diese Entscheidung wurde oft als rein pragmatische Lösung dargestellt, die nichts mit rassistischen Vorurteilen zu tun gehabt habe.
Die Zuckerproduktion als Motor der Ausbeutung
Die Geschichtswissenschaft weist jedoch darauf hin, dass bereits etablierte Gewohnheiten auf den atlantischen Inseln diese Wahl maßgeblich beeinflussten. Dort hatte sich das Modell der Zuckerrohrproduktion entwickelt, das später in die neuen Kolonien übertragen wurde. Diese Inseln dienten als Versuchsfelder für eine völlig neue Art der industriellen Landwirtschaft, die auf der Ausbeutung versklavter Menschen basierte. Die Arbeiter verloren jede Kontrolle über ihre Zeit und wurden unter strenger Aufsicht in isolierten Unterkünften zusammengepfercht. Der enorme Erfolg dieser Zuckerproduktion führte zu einem gewaltigen Anstieg des Handels mit afrikanischen Gefangenen in den afrikanischen Küstenregionen.
Die Übertragung des Ausbeutungsmodells auf die Neue Welt
Als die anfänglichen Goldvorräte erschöpft waren, hielt das Zuckerrohr-Modell Einzug in die neuen Kolonien. Mit dem wachsenden Zuckermarkt intensivierte sich auch die Versklavung, da diese die Grundlage der Produktion bildete. Es stellt sich jedoch die Frage, warum der Zuckeranbau in den neuen Kolonien zwingend den Handel mit afrikanischen Gefangenen nach sich ziehen musste. Es wäre ebenso logisch gewesen, die einheimische Bevölkerung in den neuen Gebieten als Arbeitskräfte zu versklaven. Die Forschung betont, dass die Zeitgenossen bei allen verschiedenen Formen der Zwangsarbeit stets nur nach erzwungener Arbeit suchten.
Die Widerlegung biologischer und kultureller Rechtfertigungen
Das Argument der robusteren Gesundheit der Afrikaner hält einer genauen Prüfung nicht stand, da ihre körperlichen Fähigkeiten und ihre Resistenz gegen Seuchen den transatlantischen Handel allein nicht erklären können. Auch die Annahme, die Afrikaner seien Bauern gewesen und die Ureinwohner Jäger und Sammler, ist unzutreffend. Eine gewaltige Menge an Ureinwohnern stammte aus hochentwickelten Agrargesellschaften, die bis in die frühe Neuzeit hinein dicht besiedelte Gebiete ernährten. Genau diese ackerbautreibenden Ureinwohner wurden von den Eroberern in die Bergwerke getrieben, um Edelmetalle abzubauen. Die Eroberer hätten logischerweise auf die einheimischen Arbeitskräfte zurückgreifen müssen, da die Verschleppung von Menschen aus Afrika weitaus teurer war.
Die wahren wirtschaftlichen Beweggründe
Gewohnheiten weichen stets dem finanziellen Gewinn, sobald dieser exorbitante Ausmaße annimmt. Das Argument der eingeschliffenen Gewohnheiten erklärt daher eher, warum man bis heute den Menschen aus Afrika für körperlich widerstandsfähiger hält. Es taugt jedoch nicht dazu, zu erklären, warum man Menschen aus Afrika in die neuen Kolonien verschleppte, während dort unzählige ackerbautreibende Ureinwohner die Seuchen überlebt hatten. Die wahren Beweggründe lagen somit in der reinen Profitgier und nicht in biologischen Besonderheiten.






























