Die Mechanik und Kritik der passiven Geldanlage
Die moderne Geldanlage steht vor der Herausforderung, dass traditionelle Sparformen kaum noch Erträge abwerfen, weshalb sich viele Menschen nach alternativen Wegen sehnen, um ihr Vermögen zu erhalten. In diesem Zusammenhang rücken börsengehandelte Indexfonds immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit, da sie einen scheinbar einfachen und kostengünstigen Zugang zu den globalen Finanzmärkten eröffnen. Ein solcher Fonds ist im Grunde ein Sondervermögen, das darauf ausgelegt ist, die Entwicklung eines bestimmten Börsenindex exakt nachzubilden. Im Gegensatz zu klassischen Investmentfonds, bei denen ein Verwalter versucht, den Markt durch geschickte Auswahl zu übertreffen, verfolgt dieser passive Ansatz das Ziel, die Marktentwicklung exakt abzubilden.
Die Unterschiede zu klassischen Investmentfonds
Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass es für aktive Verwalter auf lange Sicht kaum möglich ist, die Vergleichsgröße dauerhaft zu schlagen. Da es sich um ein Sondervermögen handelt, sind die Einlagen der Anleger sicher vor einer möglichen Zahlungsunfähigkeit des Anbieters geschützt. Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen Fonds liegt in der passiven Verwaltung, was sich direkt in den Kosten widerspiegelt. Es fallen keine Ausgabeaufschläge an, und die laufenden Verwaltungsgebühren sind deutlich niedriger, da der Verwalter keine aufwendige Einzelanalyse betreiben muss.
Historische Entwicklung und Risikostreuung
Die ersten Produkte dieser Art erblickten vor einigen Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten das Licht der Börse. Nach dem Wechsel in das neue Jahrhundert hielten sie auch in Deutschland Einzug und erfreuen sich seitdem wachsender Beliebtheit bei einer breiten Anlegerschicht. Der größte Vorteil liegt in der breiten Streuung des Kapitals, da mit einem einmaligen Kaufakt ein gesamter Markt abgedeckt wird. Diese Aufteilung des Risikos auf viele verschiedene Schuldner hilft dabei, das Anlagevermögen effizient zu optimieren und individuelle Totalausfälle zu verkraften.
Das Verhalten bei starken Börseneinbrüchen
Immer wieder wird die Behauptung aufgestellt, dass solche passiven Produkte bei einem starken Börseneinbruch zwangsläufig versagen müssen, da sie den Verlusten schutzlos ausgeliefert sind. Aktive Verwalter argumentieren, sie könnten durch schnelles Handeln das Kapital in Krisenzeiten besser schützen. Betrachtet man jedoch die historischen Daten über längere Zeiträume, relativiert sich dieses Argument deutlich. In den Jahren nach einem Einbruch haben die Anleger, die einfach nur den Markt abbilden, die aktiven Verwalter häufig wieder überholt. Letztlich muss man sich ohnehin auf die langfristige Entwicklung konzentrieren, bei der die niedrigeren Kosten des passiven Ansatzes einen entscheidenden Vorteil beim Gesamtertrag bringen.
Der Umgang mit schwachen Unternehmen im Index
Kritiker bemängeln oft, dass man mit dem Kauf eines Indexfonds zwangsläufig auch Unternehmen erwirbt, die sich schlecht entwickeln oder keine Gewinne abwerfen. Diese schwachen Positionen könnten das Gesamtergebnis schmälern, weshalb aktive Verwalter diese pauschale Anlageform ablehnen. Die Realität zeigt jedoch, dass selbst die besten Experten immer wieder Fehlentscheidungen treffen und ebenfalls in schwache Werte investieren. Die meisten Marktteilnehmer scheitern dauerhaft daran, die zukünftigen Gewinner verlässlich von den Verlierern zu trennen. Der Versuch, nur die guten Unternehmen herauszufiltern, endet für private Anleger aufgrund hoher Handelskosten und falscher Einschätzungen oft mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen.
Die Effizienz der Märkte und das Trittbrettfahrertum
Nach der Lehre von den effizienten Märkten sind alle verfügbaren Informationen bereits in den Kursen enthalten, weshalb faire Preise herrschen. Positive Nachrichten treiben die Notierungen nach oben, während schlechte Meldungen zu fallenden Kursen führen, wodurch sich Angebot und Nachfrage stets die Waage halten. Unter diesen Bedingungen ist es kaum möglich, durch eigene Recherche einen Informationsvorsprung zu erlangen und den Markt dauerhaft zu schlagen. Die passiven Anleger nutzen lediglich die fairen Preise, die von aktiven Experten, Prüfern und institutionellen Investoren ständig neu ermittelt werden. Sie agieren gewissermaßen als Trittbrettfahrer, die von der aufwendigen Arbeit der anderen Marktteilnehmer profitieren, ohne selbst zur Preisfindung beizutragen.
Der Einfluss auf die Kursbildung und Gewichtung
Ein weit verbreiteter Irrglaube besagt, dass diese Fonds die Kursbewegungen künstlich verzerren, indem sie bei steigenden Notierungen zwangsläufig immer mehr Aktien nachkaufen müssen. In der Praxis steigt jedoch lediglich der Anteil des jeweiligen Unternehmens innerhalb des Fonds, ohne dass zwingend neue Wertpapiere erworben werden müssen. Eine Anpassung des Bestandes erfolgt meist nur dann, wenn ein Unternehmen neu in den Index aufgenommen oder aus diesem entfernt wird. Solche Umschichtungen sind jedoch selten und betreffen in der Regel nur einen sehr kleinen Teil des gesamten Marktvolumens. Solange der passive Anteil am Gesamtmarkt überschaubar bleibt, haben diese mechanischen Anpassungen keinen nennenswerten Einfluss auf die Kursbildung.
Das Gedankenexperiment einer rein passiven Anlagewelt
Angesichts der vielen Vorteile fragen sich manche Beobachter, was geschehen würde, wenn irgendwann alle Menschen ihr Geld nur noch in solchen Indexfonds anlegen würden. Ohne aktive Prüfer, die Unternehmensbilanzen analysieren und faire Preise ermitteln, würden die Kurse immer weiter von den eigentlichen wirtschaftlichen Werten abweichen. In einer solchen Welt hätten aktive Anleger wieder hervorragende Chancen, da sie die ineffizient gewordenen Preise ausnutzen könnten. Der Markt würde sich also selbst regulieren, denn ein Zustand, in dem niemand mehr aktiv bewertet, ist auf Dauer nicht stabil. Zudem ist es illusorisch zu glauben, dass die gesamte Menschheit jemals identische Anlagestrategien verfolgen würde, da die individuellen Bedürfnisse und Überzeugungen viel zu unterschiedlich sind.
Die Ausübung von Stimmrechten auf Hauptversammlungen
Ein oft übersehener Aspekt ist die Tatsache, dass diese Fonds große Aktienbestände halten und damit über entsprechende Stimmrechte auf den Hauptversammlungen verfügen. Für den einzelnen privaten Anleger ist dieses Stimmrecht meist nicht nutzbar, weshalb die Fondsgesellschaften diese Rechte im Namen der Kunden ausüben. Aktive Verwalter nutzen diese Macht, um die Unternehmensführung zu kontrollieren und im Sinne der Anteilseigner zu beeinflussen. In der Vergangenheit gab es jedoch Kritik, dass einige passive Anbieter die Anträge der Vorstände einfach durchgewunken haben, ohne eigene Akzente zu setzen. Inzwischen haben viele Gesellschaften jedoch versprochen, ihre Stimmrechte bewusster einzusetzen, um die Interessen der Anleger aktiv auf den Versammlungen zu vertreten.




























