Datenschutz auf dem Android-Mobiltelefon: Einstellungen, Berechtigungen und Alternativen im Überblick
Ein modernes Mobiltelefon mit dem Betriebssystem Android sammelt im Alltag eine Fülle von Informationen, doch das Gerät selbst bietet zahlreiche Stellschrauben, um diese Datenerfassung deutlich einzuschränken. Die folgenden Beschreibungen orientieren sich an der Ausgabe 10 des Betriebssystems, lassen sich aber in ähnlicher Form auch auf andere Ausgaben übertragen. Wer seine Privatsphäre schützen möchte, findet sowohl für die Kontoeinstellungen als auch für Ortung, Sprache, Anwendungen und Berechtigungen passende Eingriffsmöglichkeiten. Dieser Artikel führt Schritt für Schritt durch die wichtigsten Einstellungen und zeigt zugleich, wo die Grenzen der offiziellen Bezugsquellen liegen. Auch alternative Wege wie fremde Läden oder angepasste Systemvarianten werden dabei nüchtern eingeordnet.
Datenschutz unmittelbar am Gerät
Sämtliche Privatsphäre-Einstellungen, die Sie bereits von Ihrem Google-Konto kennen, lassen sich auch direkt am Telefon vornehmen, was besonders für eilige Änderungen unterwegs praktisch ist. Komfortabler ist die Pflege dieser Einstellungen allerdings an einem stationären Rechner, zumal jede Änderung auf dem Mobiltelefon sofort auch am Rechner sichtbar ist und umgekehrt. Für den Weg am Gerät öffnen Sie die Einstellungen, wählen den Punkt Google und tippen anschließend auf Google-Konto verwalten. Unter dem Bereich Datenschutz und Personalisierung können Sie dann entweder die Datenschutzprüfung durchführen oder die gewünschten Einstellungen unmittelbar vornehmen. Auf diese Weise behalten Sie die Hoheit über Ihre Daten, egal an welchem Gerät Sie gerade arbeiten.
Den Standortverlauf mit einem Handgriff beenden
Wenn es Ihnen ausschließlich um den aufgezeichneten Standortverlauf geht, müssen Sie nicht den Umweg über das Konto gehen. Öffnen Sie stattdessen die Einstellungen und wechseln Sie in den Bereich Datenschutz. Dort finden Sie den Eintrag Standortverlauf, den Sie mit einem einzigen Handgriff ausschalten können. Damit endet die fortlaufende Aufzeichnung Ihrer Wege, ohne dass weitere Schritte nötig wären. Gerade dieser Verlauf gehört zu den sensibelsten Datenbeständen, die ein Mobiltelefon anlegt.
Der neugierige Sprachassistent
Mit seinem Sprachassistenten setzt der Konzern auf einen eigenen Helfer, der wie alle Programme dieser Gattung besonders wissbegierig ist. Der Assistent lernt Ihr Sprachverhalten und verfeinert bei jeder Aktivierung Ihr persönliches Sprachprofil, was an sich ein freundlicher Gedanke ist. Der Preis dafür ist jedoch eine Audioaufnahme samt Nebengeräuschen, die bei jeder Nutzung an Google übermittelt wird. In der Praxis fällt der Nutzen solcher Assistenten ohnehin eher bescheiden aus, zumal viele Menschen die Funktion kaum verwenden. Gerade dann, wenn Sie den Assistenten bisher kaum genutzt haben, ist es empfehlenswert, entschlossen einzugreifen, wobei der Konzern die Zugänge zu diesen Funktionen von Version zu Version verändert und die Beschreibung daher auf Ihrem Gerät leicht abweichen kann.
Sprachdaten einsehen und bereinigen
Um Ihre Sprachdaten zu bereinigen, starten Sie den Assistenten über die dafür vorgesehene Taste, die je nach Hersteller und Gerät unterschiedlich ausfällt. Anschließend tippen Sie unten rechts auf das Kompass-Symbol und oben rechts auf Ihr Kontobild, um über den Punkt Einstellungen zu Ihren Daten beim Assistenten zu gelangen. Wenn Sie dort weiter nach unten zu den Spracheinstellungen rollen, öffnet sich der Zugriff auf die gespeicherten Aufzeichnungen. Hier können Sie wie bei den übrigen Internet- und Anwendungsaktivitäten auswählen, ob sämtliche Aktivitäten oder nur die älteren Einträge gelöscht werden sollen. Auf diese Weise räumen Sie Ihr Sprachprofil gründlich auf, ohne den Assistenten sofort vollständig aufzugeben.
Den Assistenten vollständig abschalten
Möchten Sie den Sprachassistenten hingegen vollständig deaktivieren, müssen Sie einen deutlich verschlungenen Weg gehen, und die Vermutung liegt nahe, dass diese Umständlichkeit vom Konzern durchaus so beabsichtigt wurde. Sie beginnen erneut mit dem Start des Assistenten über die jeweilige Taste und tippen unten rechts auf das Kompass-Symbol sowie oben rechts auf Ihr Kontobild. Über die Einstellungen wechseln Sie nun auf die Registerkarte des Assistenten und rollen die Seite ganz nach unten, wo Sie unter den Assistenten-Geräten Ihr Mobiltelefon auswählen. Dort tippen Sie auf das Sprachmodell, löschen dieses Modell und schalten den Assistenten anschließend endgültig aus. Erst nach dieser Reihe von Schritten ist der lauschende Helfer wirklich zur Ruhe gebracht.
Die Fernortung abschalten
Viele Android-Geräte bieten die Möglichkeit, bei Bedarf aus der Ferne geortet zu werden, wofür die Satellitennavigation des Telefons die Position in regelmäßigen Abständen an die Rechner eines Anbieters schickt. Diese Funktion ist zweifellos hilfreich, wenn das Gerät verloren ging oder gestohlen wurde, bedeutet aber zugleich eine dauerhafte Überwachung. Wer diese Überwachung nicht wünscht, kann sie in den Einstellungen von Android unter dem Punkt Biometrische Daten und Sicherheit abschalten. Dort deaktivieren Sie lediglich den Schalter der herstellerspezifischen Ortungsfunktion, und schon endet die ständige Meldung Ihres Aufenthalts. Die Bezeichnung dieser Funktion kann je nach Hersteller leicht variieren, das Prinzip bleibt jedoch stets dasselbe.
Anwendungen aus dem offiziellen Laden und ihre Prüfung
Anwendungen sind das Salz in der Suppe, denn ohne sie macht ein Mobiltelefon nur halb so viel Freude und bietet deutlich weniger Nutzen. Wer seine Programme über den offiziellen Anwendungsladen von Google installiert, profitiert immerhin davon, dass diese zumindest rudimentär auf Schadfunktionen geprüft werden. Selbst die inzwischen noch engere Prüfung durch das hauseigene Schutzprogramm des Konzerns verhindert jedoch nicht, dass sich im Laden immer wieder Anwendungen mit Schadfunktionen finden, die unbemerkt Daten abgreifen. Unter dem Installationsfortschritt jeder Anwendung erscheint zwar ein Hinweis auf diese Prüfung, doch echte Kontrolle gewinnen Sie erst, wenn Sie sich die Berechtigungen der Anwendung anzeigen lassen und bei Bedarf ändern. Der folgende Abschnitt zeigt, wie Sie dabei systematisch vorgehen.
Berechtigungen einzelner Anwendungen prüfen
Öffnen Sie in den Android-Einstellungen den Bereich für die installierten Anwendungen, um eine Liste sämtlicher Programme zu sehen. Tippen Sie eine Anwendung an, um deren Berechtigungen im Detail betrachten zu können. Um eine Berechtigung zu ändern, tippen Sie darauf und wählen nach eigenem Ermessen Zulassen oder Ablehnen. Auf diesem Weg lassen sich auch bislang nicht zugelassene Berechtigungen aktivieren, was dann hilft, wenn eine Anwendung wegen einer fehlenden Berechtigung gar nicht oder nur fehlerhaft arbeitet. Diese feine Steuerung macht aus einem pauschalen Vertrauen eine bewusste Entscheidung für jede einzelne Funktion.
Berechtigungen nach Art im Blick behalten
Im Laufe der Zeit sammeln sich auf jedem Telefon zahlreiche Anwendungen an, und die Kontrolle jeder einzelnen Berechtigung wird dadurch mühsam. Android bietet deshalb einen alternativen Weg, bei dem Sie sich zunächst die Berechtigungen und dann alle zugehörigen Anwendungen anzeigen lassen. So erkennen Sie auf einen Blick, welche Programme kritische Berechtigungen wie Kamera, Mikrofon oder Positionsabfrage besitzen. Dazu tippen Sie in den Einstellungen auf Datenschutz und anschließend auf die Berechtigungsverwaltung, woraufhin alle Berechtigungen als Liste erscheinen. Tippen Sie eine Berechtigung an, sehen Sie sämtliche Anwendungen, die über diese verfügen, und können sie durch Antippen und die Wahl von Ablehnen entziehen.
Überflüssige Anwendungen konsequent entfernen
Anwendungen sind der Hauptgrund dafür, dass Daten unberechtigt erhoben oder von Ihrem Gerät an entfernte Stellen geschickt werden. Sie sollten daher in regelmäßigen Abständen die Liste der installierten Programme durchgehen und kritisch hinterfragen, ob Sie jede einzelne Anwendung wirklich brauchen. Jede Anwendung belegt nicht nur Speicherplatz, sondern speichert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Daten über Sie. Nutzen Sie ein Programm gar nicht, können Sie die zugehörige Datensammlung beenden und zugleich Speicherplatz freigeben, indem Sie den Finger auf das Symbol legen und Deinstallieren wählen. Danach ist die Anwendung verschwunden, und im Normalfall sind auch ihre Daten gelöscht.
Wenn Zweifel bleiben: das Gerät zurücksetzen
Haben Sie den begründeten Verdacht, dass eine Anwendung kritische Daten gespeichert hat, und wollen Sie ganz sichergehen, dass diese Reste vollständig verschwinden, bleibt nur ein radikaler Schritt. Setzen Sie Ihr Android-Gerät in diesem Fall komplett zurück und richten Sie es frisch ein. Verzichten Sie dabei bewusst auf eine Sicherungskopie, damit keine alten Daten zurück auf das Telefon wandern. Selbstverständlich installieren Sie die verdächtige Anwendung bei der Neueinrichtung nicht erneut. Nur auf diesem Weg ist gewährleistet, dass sämtliche Spuren der Anwendung restlos getilgt sind.
Alternative Bezugsquellen für Anwendungen
Der offizielle Laden von Google ist die Standardquelle für Anwendungen auf einem Android-Telefon und bietet den erwähnten Vorteil einer gewissen Vorabkontrolle, bindet Sie aber noch stärker an den Konzern. Daneben existieren verschiedene andere Läden, in denen Sie ebenfalls viele bekannte Programme finden, auch wenn hier und dort eine vertraute Anwendung fehlt, wie etwa in der Galerie des Herstellers Huawei. Diese Galerie entstand eher aus der Not, weil der Hersteller auf neuen Geräten keine Google-Dienste mehr nutzen darf. Besonders interessant ist der alternative Laden Aurora, der als Tor zum Google-Laden dient und sich für das anonyme Herunterladen kostenloser Anwendungen mit einem Scheinkonto nutzen lässt, sodass Google nicht erfährt, wer hinter dem Bezug steht. Nur bei kostenpflichtigen Bezügen müssen Sie sich mit Ihrem Google-Konto anmelden.
Amazon statt Google: eine Scheinalternative
Eine weitere vermeintliche Alternative ist der Anwendungsladen des Versandhändlers Amazon. Dieser Laden wurde vor allem für die eigenen Lesegeräte des Konzerns ins Leben gerufen, lässt sich aber auch von anderen Android-Geräten aus nutzen. Ein Umstieg verbessert Ihre Lage jedoch kaum, zumindest nicht im Hinblick auf Ihre Privatsphäre. Denn am Ende ersetzen Sie damit die eine Datenkrake Google lediglich durch die andere Datenkrake Amazon. Wer seine Daten schützen will, gewinnt mit diesem Tausch deshalb nichts.
Vorsicht bei Anwendungen aus fremden Quellen
Eine weitere Möglichkeit, Programme zu installieren, ist die sogenannte Fremdinstallation, bei der eine Anwendung aus einer Datei stammt, die Sie von einer Internetseite heruntergeladen haben. Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit dem Herunterladen eines Programms auf einem Windows-Rechner, das nicht aus dem offiziellen Laden des Herstellers stammt. Es funktioniert nur, wenn Sie die Installation solcher Fremd-Anwendungen ausdrücklich zulassen, und genau das sollten Sie sehr genau überlegen. Für die allermeisten Anwendungen gibt es eine Vielzahl offizieller Angebote, sodass eine Anwendung aus einer fremden Quelle meist gar nicht nötig ist. Aktivieren Sie die Installation unbekannter Anwendungen nur dann, wenn Sie ganz sicher sind, dass die Quelle vertrauenswürdig ist und Sie das Programm unbedingt brauchen; den Weg dorthin finden Sie in den Einstellungen unter Biometrische Daten und Sicherheit sowie dem Punkt Unbekannte Anwendungen installieren.
Die Freigabe danach sofort zurücknehmen
Auch wenn die Fremdinstallation im Einzelfall sinnvoll sein kann, ist es ratsam, die entsprechende Einstellung anschließend sofort wieder zurückzunehmen. So verhindern Sie zuverlässig, dass Sie später versehentlich Anwendungen aus nicht vertrauenswürdigen Quellen installieren. Die kurzzeitige Freigabe bleibt damit ein bewusst gesteuerter Ausnahmefall statt eines dauerhaften Einfallstors. Diese kleine Disziplin kostet nur wenige Sekunden und erhöht Ihre Sicherheit erheblich. Sie ist damit eines der einfachsten und wirksamsten Werkzeuge im Alltag.
Angepasste Systemvarianten und ihre Chancen
Android mit seinen Linux-Wurzeln ist vergleichsweise offen für Eingriffe unter der Motorhaube. Aus diesem Grund besteht die Möglichkeit, modifizierte Versionen des Betriebssystems, sogenannte angepasste Systemvarianten, auf dem Gerät zu installieren. Diese Varianten bringen nicht nur neue Funktionen und Systemeinstellungen mit, sondern teilweise auch deutlich verbesserte Datenschutzoptionen. Funktionen, die Sie im normalen System mühsam manuell abschalten müssten, sind dort schon von Anfang an abgeklemmt. Für technisch versierte Menschen kann sich dadurch ein spürbarer Gewinn an Privatsphäre ergeben.
Risiken beim Einspielen eigener Systemvarianten
Die Installation einer solchen Systemvariante birgt jedoch auch erhebliche Risiken, denn sie ersetzt das vom Hersteller installierte System mitsamt allen Treibern, Anwendungen und Daten und verletzt damit potenziell die Garantie. Auch der Installationsvorgang selbst ist alles andere als gefahrlos und kann im schlimmsten Fall ein unbrauchbares Gerät zurücklassen. Zudem bewegen Sie sich stets zwischen dem Vorteil der besseren Datenschutzeinstellungen und dem Risiko, sich neue Probleme sowie neue Ansatzpunkte für den Zugriff auf Ihre Daten einzufangen. Neben beabsichtigten Lücken können auch schlichte Programmfehler auftreten, denn angepasste Systemvarianten sind meist Herzensangelegenheiten engagierter Anwender und keine qualitätsgesicherten Projekte großer Unternehmen. Diese Abwägung muss am Ende jede Person selbst treffen, wobei der Gewinn an Kontrolle sorgsam gegen das technische Risiko zu stellen ist.






















