Geschichte von Südvietnam: Der Machtkampf um die Kontrolle des Flughafen-Schmuggels
Die politische Landschaft in Südvietnam war in den späten Kriegsjahren von tiefgreifenden Rivalitäten und einer systematischen Korruption geprägt, die alle staatlichen Ebenen durchdrang. Der Kampf um die politische Vorherrschaft zwischen dem Staatspräsidenten und dem Premierminister beschränkte sich nicht auf ideologische Fragen, sondern drehte sich maßgeblich um die Kontrolle über höchst lukrative illegale Netzwerke. Die Zollbehörden am zentralen Flughafen entwickelten sich dabei zu einem zentralen Schauplatz dieses Schattenkrieges, wo staatliche Institutionen vollständig von privaten Interessen gekapert wurden. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie die offiziellen Strukturen des Staates systematisch ausgehöhlt wurden, um den eigenen Machtapparat auf Kosten der öffentlichen Ordnung zu finanzieren.
Die Errichtung eines familiären Machtapparates
Der Staatspräsident gewährte den schmuggelnden Politikern zwar seinen umfassenden Schutz, doch das Unglück dieser Parlamentarier bestand darin, dass die Zollbehörden von dem Apparat des Premierministers kontrolliert wurden. Nach vier Jahren im politischen Exil kehrte der Regierungschef in die Heimat zurück und übernahm das Amt des Innenministers. Als aggressiver Militärführer begann er sogleich, eine eigenständige Machtbasis aufzubauen, was ihn wenig später an die Spitze der Regierung brachte. Obwohl er frühere Bündnispartner oft betrog, benötigte der Staatspräsident ihn für seine geheimen Machtkämpfe gegen den Vizepräsidenten. In seinen Ämtern als Innenminister und Premierminister beförderte der Regierungschef seine Verwandten auf höchst lukrative Posten in der zivilen Verwaltung.
Die Lähmung der Strafverfolgung
Er etablierte eine zunehmend unabhängige politische Organisation, indem er seinen Schwager zum Stadtoberhaupt der Hauptstadt ernannte. Sein jüngerer Bruder erhielt den Posten als Chef des Zollbetrugsdezernats, ein weiterer Bruder wurde Hafendirektor und sein Cousin zum stellvertretenden Generalgouverneur befördert. Nach dem Aufstieg an die Regierungsspitze machte er einen weiteren Verwandten seiner Ehefrau zum Generaldirektor der nationalen Polizei. Einer der wichtigsten Akteure in diesem Gefüge war der Bruder des Premierministers, was die amerikanischen Zollberater in große Verzweiflung stürzte. Die einheimischen Kollegen begannen gerade erst mit aufräumenden Maßnahmen, als dieser neue Chef eintraf und sämtliche Bemühungen zunichtemachte.
Die offene Protektion des Schmuggels
Als Leiter des Betrugsdezernats übertrug dieser die meiste schmutzige Arbeit an seinen Stellvertreter. Gemeinsam brachten die beiden Männer jede effektive Strafverfolgung vollständig zum Erliegen. Der Stellvertreter frönte einer schweren Opiumabhängigkeit, die ihn täglich etwa 10000 Piaster, was damals 35 Dollar entsprach, kostete, und besuchte regelmäßig eine örtliche Opiumhöhle. Trotz schwerer Unregelmäßigkeiten in den vergangenen zwei Jahren gelang es ihm durch Bestechung und politischen Einfluss, einer Anklage zu entgehen. Bei seinem Amtsantritt war er nahezu mittellos, doch durch sein neues Amt wurde er rasch reich und unterhielt zwei oder drei Ehefrauen.
Die dominierende Rolle der Schmugglerbosse
Der Chef des Dezernats selbst galt als Hauptfigur im Opiumhandel und sabotierte alle Versuche, eine Sondereinheit für Rauschgift aufzubauen. Unter seiner Führung wurde der Schmuggel von Gold und Opium auf dem zentralen Flughafen so offensichtlich, dass die amerikanischen Berater nach drei Jahren der Verhandlungen zu einem vernichtenden Urteil kamen. Die dortigen Zollbeamten agierten kaum noch als Kontrolleure, sondern lediglich als willfährige Helfer der Schmuggler. Die Beamten waren extrem darauf bedacht, die Schmuggler zufriedenzustellen und sie nicht nur an den Schaltern vorbeizuführen, sondern sie auch zu den wartenden Taxis zu begleiten. Dies verlieh den illegalen Geschäften den Anschein der Legitimität, um unerfahrene Kontrollkräfte von Einmischungen abzuhalten.
Die Aufdeckung des Goldschmuggels
Die wichtigste Schmugglerin auf dem Flughafen war eine Frau mit beeindruckenden politischen Verbindungen, die in den Berichten als fette Neun bezeichnet wurde. Diese Beschreibung passte zu ihrer untersetzten Statur, die sie in jeder Menschenmenge leicht erkennbar machte. Sie stand an der Spitze eines Rings aus zehn oder zwölf Frauen, die bei jeder Ankunft von Maschinen aus Laos und Singapur anwesend waren. Diese Frauen empfingen das meiste Frachtgut, das auf diesen Flügen als unbegleitetes Gepäck eintraf. Wenn die Anführerin den Zollbereich verließ und eine Prozession von acht bis zehn gehorsamen Trägern anführte, wirkte sie wie ein beschützendes Muttertier.
Die finanziellen Dimensionen der Korruption
Bei einem Vorfall im Sommer 1968 zeigte ein neu eingestellter Zollbeamter Interesse an der chinesischen Medizin, die diese Frau gerade abgeholt hatte. In dem geöffneten Päckchen befand sich jedoch keine Arznei, sondern dünne Blattgoldstreifen. Dieser Vorfall wurde zwar dem Generaldirektor gemeldet, doch die zuständige Führungskraft wies die Anschuldigungen als bloße Mutmaßungen zurück. Dieser Vorfall verdeutlichte, dass diese Frau von jeder Ebene des einheimischen Zolls umfassend geschützt wurde. Obwohl fast alle Zollbeamten Bestechungsgelder von den Schmugglern erhielten, war der Posten des Dezernatsleiters der mit Abstand profitabelste.
Die Farce der Strafverfolgung
Während normale Abteilungsleiter nur von ihren direkten Untergebenen Geld erhielten, verschafften ihm seine Befugnisse Nebeneinkünfte aus jeder einzelnen Abteilung der Zollbehörden. Da selbst untergeordnete Beamte monatlich 22000 Dollar an ihre Vorgesetzten weiterreichten, waren die Einnahmen des Dezernatsleiters gigantisch. Anfang 1971 versuchten die amerikanischen Berater vergeblich, die Versetzung des stellvertretenden Leiters zu erzwingen, doch dieser wurde geschickt abgeschirmt. Im März erfuhren amerikanische Beamte in Laos, dass ein Abgeordneter eine Maschine in die Heimat mit vier Kilo Heroin besteigen wollte. Die Information wurde umgehend an die örtlichen Zollbehörden weitergeleitet, die den Auftrag zur Beschlagnahmung erhielten.
Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft
Der Chef des Betrugsdezernats betraute ausgerechnet seinen opiumrauchen Stellvertreter mit dieser Beschlagnahmung. Dieser Stellvertreter erhielt später für seine angebliche Leistung sogar einen Orden verliehen. Die amerikanischen Berater, die versucht hatten, ihn aus dem Dienst zu entfernen, mussten anschließend an einem Empfang zu seinen Ehren teilnehmen. Frustriert über die monatelange Untätigkeit und die Heuchelei der einheimischen Behörden, beschlossen die amerikanischen Zollberater, die Öffentlichkeit zu informieren. Kopien der vernichtenden Berichte sickerten an die Presse und bildeten die Grundlage für einen prominenten Zeitungsartikel im April 1971.
Der politische Wendepunkt
Die amerikanische Antwort auf diese Enthüllungen folgte prompt und die entsandten Berater verstärkten ihre Präsenz am Flughafen. Die Botschaft verlangte vom herrschenden Regime, endlich entschiedene Maßnahmen gegen die Korruption zu ergreifen. Anfangs zeigte sich die Regierung jedoch äußerst zurückhaltend gegenüber den Forderungen, das Betrugsdezernat zu säubern. Erst als der Schmuggel zu einem politischen Streitthema zwischen den Fraktionen des Premierministers und des Staatspräsidenten wurde, zeigten die Verantwortlichen echtes Interesse an einer Lösung. Der Konflikt um die Kontrolle der lukrativen Schmuggelrouten hatte somit eine völlig neue Dynamik erreicht.
























